Schoenheitswahn bei Schwangeren- ein Bericht des Sueddeutsche Magazins

Als ich heute Morgen Zeitung gelesen habe, sprang mich förmlich ein Bericht des Süddeutsche Magazins an. Hierin beschreibt die Autorin ein Phänomen, dass mir schon vor meiner Schwangerschaft häufig aufgefallen ist: junge Mütter oder Schwangere, die sich viele Gedanken um ihre Figur machen und kurz nach der Schwangerschaft wieder so aussehen (wollen), als hätten sie nie ein Kind bekommen. Wohl berühmtestes Beispiel hierfür ist Model-Mama Heidi Klum, die 5 Wochen nach der Geburt ihres Sohnes auf dem Laufsteg nicht nur teure Dessous, sondern auch einen makellosen Körper präsentierte.

Das Bild von Müttern und Schwangeren in der Gesellschaft scheint sich verändert zu haben. Es wird erwartet, diszipliniert zu sein, regelmäßig Sport zu treiben und körperlich nichts „mütterliches“ auszustrahlen. Dass sich der Körper aber während einer Schwangerschaft verändert, scheinen Menschen zu vergessen. So schreibt beispielsweise die SZ-Magazin Autorin, dass sich öffentlich gewundert wurde, als Herzogin Kate mit einem kleinen Bäuchlein unter dem gepunkteten Kleid ihren neugeborenen Sohn vor dem Krankenhaus präsentierte. Sie habe doch das Baby schon bekommen, warum also ist sie noch nicht wieder rank und schlank?

Die Medienwelt präsentiert uns seit einigen Jahren schlanke junge Mütter und weckt dabei auch bei uns Otto-normal-Müttern den Wunsch oder die Erwartung, eine Mutter mit perfekter Figur zu sein.

Eine Zeitschrift für Mütter zeigte im letzten Jahr eine realistische Fotoreihe von Frauenkörpern nach der Geburt. Um ehrlich zu sein, im ersten Moment war ich erschrocken. Ich war gerade schwanger und setzte mich mit meinem sich verändernden Körper auseinander- und war nicht immer glücklich. Diese Bilder machten mir deutlich, dass auch ich gehofft hatte, ohne Streifen, mehr Pfunden und schlank aus dieser Schwangerschaft zu kommen. Wie unrealistisch das ist, empfinden wir nicht mehr, da uns die Medien überwiegend die perfekten Lifestyle-Mütter präsentieren. Und nach und nach gehen wir, mitsamt der Gesellschaft davon aus, dass diese Mütter uns die Realität präsentieren.

Es ist also wahrscheinlich kein Wunder, dass immer mehr Mütter teilweise schon während der Schwangerschaft Essstörungen oder gestörte Verhaltensweisen beim Essen zeigen, bzw. nach der Geburt in eine Essstörung rutschen, da in ihnen eine große Diskrepanz zwischen Ich-Ideal und momentanem Ich besteht.

Warum tun wir (schwangeren) Mütter uns diese Quälerei an? Wir wissen, dass Modelfotos bearbeitet sind, wir wissen, dass Stars Nannys, Personal Trainer und Köche haben, die es ihnen möglich machen, viel Zeit beim Training zu verbringen. Warum akzeptieren wir dann nicht, dass ein Körper etwa ein Jahr braucht, um eine Schwangerschaft zu verarbeiten?

Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Wochen gefragt wurde, wie viel ich bisher zugenommen habe. Warum ist das auch wichtig für andere? Ich habe diese Frage nie beantwortet. 1. weil ich mich für meine Extrakilos doch ein bisschen geschämt habe. Und mir nicht die Blöße geben wollte, dass andere erfahren, dass ich Heißhungerattacken nicht widerstehen konnte. 2. weil mein Gewicht niemanden etwas angeht und 3. weil ich mich dem Druck der Gesellschaft nicht beugen möchte! Ich bin eigentlich recht zufrieden mit mir, aber selbst ich habe den Druck gespürt,, bzw. spüre ihn nach wie vor, etwas präsentieren zu müssen. Die junge Mutter, die beruflich Erfolg hat, eine süße kleine Kugel vor sich herschiebt und der man von hinten nicht ansieht, dass sie schwanger ist. Das ist nicht bis zum Ende der Schwangerschaft realistisch.

Ich würde mir wünschen, dass sich die Erwartungen an Mütter wieder ändern. Und am besten wird es  sein, ich fange bei mir an! Ich akzeptiere mich, wie ich bin, mit allem drum und dran! Mein Körper wird sich wieder verändern, in welche Richtung auch immer. Wichtig ist, dass ich mich so annehme, wie ich bin. Diese Kraft brauche ich auch, um meinen Kindern Selbstbewusstsein zu vermitteln. Denn wer möchte schon, dass die eigenen Unsicherheiten Selbstzweifel in unseren Kindern säen? Um es mit einer Werbung aus den 90ern auszudrücken: Ich will so bleiben, wie ich bin!

 

4.2.14 11:20

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